Mi, 19. Feb 2003; von prinz elisabeth.
in einem neuen buch, einem sogenannten "untersuchungsbericht" zum anschlag vom
11. september 2001 auf das WTC, sollen nicht nur gefälschte bildmaterialien entlarvt, sondern vor allem die hintergründe und das "wahre ziel der terroranschläge" nachgewiesen werden. dieses hätte darin bestanden, "einen längst geplanten `dauerkrieg´ der USA gegen bis zu 60 staaten der erde" zu beginnen, um schließlich die uneingeschränkte weltherrschaft übernehmen zu können. demnach sei der anschlag vor allem den USA selbst dienlich gewesen und von den "hauseigenen" geheimdiensten geplant und durchgeführt worden: ergibt insgesamt eine wunderschöne verschörungstheorie mit beschränkter glaubwürdigkeit, sogar mit unterhaltungswert.
  
.....wäre da nicht der umstand, dass george w. bush mit der konstruktion von der "achse des bösen" schon seit über einem jahr bitteren ernst zu machen scheint mit solchen szenarien, indem er sie in den bann ihrer eigenen realen und kriegerischen bekämpfung zieht. es entsteht die optik, als würde er damit tatsächlich einen notzustand erpressen, einen der ständigen bedrohung, der sich wie ein spinnennetz um das öffentliche - vor allem das amerikanische - bewusstsein legt und nunmehr die deutsche wirtschaft zu erfassen droht.
dass ängste jedweder art in der bevölkerung gerne geschürt und instrumentalisiert werden - wenn es gewissen kräften nützt - zeigte kürzlich erst michael moore in seiner dokumentarsatire bowling for colombine. wieweit aber die strategie zur legitimation eines krieges bereits im sprachmaterial selbst aufgespürt werden kann, hat der schriftsteller ivan nagel in einer art fragmentarischer bestandaufnahme untersucht. mit seinem "falschwörterbuch des irakkonflikts" versucht er, die diskursive landschaft rund um den drohenden krieg (unter seinem persönlichen moralischen blickwinkel) neu zu ordnen.
die zentralen fäden laufen aber schlussendlich wieder im erscheinungsbild des präsidenten zusammen. einerseits reicht die bandbreite der vergleiche in den eher nach verschwörung und weltherrschaft riechenden darstellungen von imperator bis spiderman. andererseits wird er in der funktion als waffenmächtiger amerikanischer patriot mit weltverantwortung, als der er sich präsentiert, oft auch als cowboy karikiert. es stellt sich nun die frage: was ist dran an diesen vergleichen?
michael rutschky hat daher "eine kleine genrekunde" zum western, der figur des cowboys und weiters der figur des "gunman" entworfen. - ironisch, behutsam und ernsthaft führt er vor, dass zwar das völkerrecht in seiner derzeitigen form mit einem jugoslawienkrieg, der taliban in afghanistan und saddam hussein im irak überfordert ist und kein geeignetes internationales reglement mehr bietet; dass aber ein george w. bush mit dem selbstverständnis eines "gunmans" sich nicht weiter scheren wird um langfristige lösungen.
dieser gedankengang nimmt bei weitem tiefere dimensionen an als so manche antikriegshaltung, die beinahe selbst an eine amerikanischen verschwörung glauben macht. auch wenn es noch so verlockend ist, die wahrheiten überall zu vermuten und die projektionsflächen von imperator bis spiderman zu entwerfen; es muss gesehen werden, was auf der hand liegt. es geht genau um den einen punkt, der im zentrum der debatte steht und dennoch nicht klar genug hervorgekehrt wird: um einen nachhaltigen frieden.
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