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Schreibutensilien und -materialien der Osmanen
Do, 17. Jul 2003; von sandra.
Im Zuge der Erarbeitung des Virtuellen Museums erfuhren wir bspw. folgendes - und fanden, dass es hier einen würdigen Platz hat.
Schreibgerät:
- Schreibwerkzeug: Schilfrohr aus orientalischen Sümpfen/Sumpfgebieten
- Bevor das Schilfrohr als Schreibgerät bzw. Feder verwendet werden kann, muss man es erst eine Zeitlang in Pferdedung eingraben (vier Jahre im Durchschnitt). Während dieser Zeit wird das Rohr fester und nimmt je nach Sorte eine rotbraune, hell- oder dunkelbraune oder auch schwarze Farbe an.
- Dann wird das Schilfrohr zum Schreiben zugeschnitten, indem man die Enden schräg abschneidet. Da sich die Feder beim Schreiben abnutzt, muss dieser Vorgang ständig wiederholt werden, nicht Routinetätigkeit, sondern ein durchaus problematisches Unterfangen, da schon die kleinsten Abweichungen in der Breite der Spitze das Schriftbild verändern.
- Zuschneiden der Federspitze: mit einem speziellen, 10-20 cm langen Messer bis das Ende des Rohres mandelförmig ist. Eine solche Spitze wird als Federzunge bezeichnet. Die Ränder der Zunge werden auf die gewünschte Breite angespitzt, und die Spitze selbst wird 1-2,5 cm tief gespalten. Dieser Einschnitt muss parallel zum Schaft der Feder verlaufen. Die so erhaltene Öffnung kann eine kleine Menge Tusche speichern, die beim Schreiben zur Spitze rinnt.
- Beim Schreiben hält der Kalligraph die Feder so, dass der Rand der Spitze auf dem Papier liegt. Bewegt er den Schreibgriffel von oben nach unten, erzeugt er einen feine senkrechte Striche, von rechts nach links, kräftigere Linien. Auch indem man die Feder in verschiedenem Winkel aufsetzt, kann man den Charakter der Schrift verändern und Effekte erzielen.
- Je breiter die Schrift war, desto dicker musste das Schilfrohr sein. Sehr breite Federn auch aus Bambus oder Holz.
- Aufbewahrung der Federn: diverse Behälter, z.B. Schreibkasten
Papier:
- Als Schreibträger diente Papier, dessen grelles Weiß (da es die Augen ermüdete), mit pflanzlichen Farben getönt wurde. Ein wässrigen Sud aus Teeblättern färbt das Papier zartbeige oder hellbraun, Granatapfel-Schalen und grüne Walnussschalen braun, cehrî-Samen oder Kreuzdorn gelb, Kampescheholz rot oder purpur, Zwiebelschalen rötlich.
- Nach dem Trocknen wird das Papier mit einer Eiweiß-Alaun-Mischung namens âhâr oder ersatzweise mit einer leimartigen Paste aus Stärke oder mit Wasser verkochtem Mehl bestrichen.
- Diese Behandlung bewirkt, dass die aus Ruß hergestellte Tinte nicht in die Fasern des Papiers dringt, sondern an der Oberfläche abtrocknet. So können kleinere Schönheitsfehler korrigiert werden, indem man die Tinte mit einem Spezialmesser abkratzt oder auch einfach mit Speichel befeuchtet und mit einem Bauwolltuch abreibt.
- Abschließend wird das derart geleimte und gefestigte Papier geglättet und poliert, indem man es auf eine Holzplatte legt, mit einem seifenhaltigen Stück Wolle einreibt und mit einem Holzwerkzeug bearbeitet, bis es intensiv glänzt.
- Vor seiner Verwendung wird das Papier mindestens ein Jahr aufbewahrt.
- Nur wenn es geleimt, poliert und gelagert wurde, kann die Feder leicht darüber gleiten. Und nur dann lassen sich Fehler durch Wischen oder Schaben korrigieren.
- Bevor man das derartig behandelte Papier beschreibt, muss man es mit einem kalkbestäubten Wollstoff abwischen, damit die Tinte darauf haften bleibt. (Er macht die beim Polieren durch die Seife glitschig gewordene Oberfläche stumpfer und entfernt Fettspuren, die bei der Handhabung des Papiers entstanden.
- Für amtliche Dokumente des Osmanischen Reichs wurde poliertes, aber nicht geleimtes, die Tinte absorbierendes Papier benutzt, um Fälschungen oder nachträgliche Änderungen zu verhindern.
Tinte:
- Für die nie verblassende Tinte der Kalligraphen wurden im Laufe der Zeit zahlreiche Rezepte kreiert.
- Die wichtigsten Bestandteile, die lange verrührt werden müssen, sind Lampenruß, der durch das Verbrennen von Leinsamen, Bienenwachs, Naphta oder Kerosin gewonnen wird, zerkleinertes Gummiarabikum, das die Kohleteilchen auf dem Papier haften lässt und Wasser.
- Es gab die unterschiedlichsten Tintenfässer aus Keramik, Glas, oder Metall (Siegel des Sultans Abb. 6-7). In diese legte man, bevor man die Tinte einfüllte, einen Bausch aus Rohseide (lika), der die Tinte aufsaugte und einerseits bewirkte, dass die Feder immer eine gleichmäßige Menge Tusche aufnahm, andererseits ein Auslaufen der Tinte vermied (wenn man den Behälter umstieß).
Farbige Tinte:
- Auch mit farbiger Tusche wurde geschrieben. Um Gelb herzustellen verrührt man das natürlich vorkommende Auripigment mit Natrium, gelöstem Gummiarabikum und Wasser. Um Orange zu erzeugen, ersetzt man Auripigment durch Arsensulfid, für Weiß durch Bleiweiß. Verschiedene Rottöne erzeugte man, indem man einen Extrakt namens lotur mit Seifenkraut, Alaun und Wasser miteinander vermengt und aufkocht.
- Für Goldtinte versetzte man pulverisiertes Blattgold, mit Gummiarabikum als Haft- und Honig als Bindemittel. Dann wurde der Honig mit Wasser ausgewaschen und das Gold ausgesiebt, bis es als feinster Goldstaub zurückblieb. Diesen vermischte man mit in Wasser gelöster Gelatine.
Mehr Info: http://www.tuerkenbeute.de/the/the_lie/ZeichenSetzen_de.php
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