oben Kien das Schöpferilche, der Himmel
unten Sun das Sanfte, der Wind
Das Zeichen deutet auf eine Lage, da das dunkle Prinzip heimlich und unerwartet von innen und unten her sich wieder eindrängt, nachdem es beseitigt war. Das Weibliche kommt von sich aus den Männern entgegen. Das ist eine gefährliche und nicht günstige Lage, wegen der möglichen Konsequenzen, die es rechtzeitig zu erkennen und dadurch zu verhindern gilt. Das Zeichen ist dem fünften Monat (Juni - Juli) zugeordnet, da mit der Sommersonnenwende das dunkle Prinzip allmählich wieder aufzusteigen beginnt.
DAS URTEIL
Das Entgegenkommen. Das Mädchen ist mächtig.
Man soll ein solches Mädchen nicht heiraten.
Das Emporkommen des Gemeinen ist unter dem Bild eines frechen Mädchens
gezeichnet, das sich leichthin preisgibt und dadurch die Herrschaft an sich
reißt. Das wäre nicht möglich, wenn das Starke und Lichte dem
nicht auch seinerseits entgegenkäme. Das Gemeine sieht so harmlos und schmeichelnd
aus, daß man seine Freude daran hat. Es sieht so klein und schwach aus,
daß man meint, unbesorgt mit ihm scherzen zu können.
So kommt der Gemeine nur dadurch hoch, daß der Edle ihn für ungefährlich
hält und ihm Macht verleiht. Würde man ihm vom ersten Anfang an entgegentreten,
so würde er nie zu Einfluß gelangen können.
Aber die Zeit des Entgegenkommens hat doch auch noch eine andere Seite, die
der Beachtung wert ist. Wenn das Entgegenkommen des Schwachen dem Starken gegenüber
nicht die Regel sein darf, so hat es doch zu Zeiten seine große Bedeutung.
Wenn Himmel und Erde einander entgegenkommen, so kommen alle Geschöpfe
zum Gedeihen. Wenn Fürst und Gehilfe einander entgegenkommen, so kommt
die Welt in Ordnung. Ein gegenseitiges Entgegenkommen der füreinander bestimmten
und aufeinander angewiesenen Prinzipien ist nötig. Nur muß es frei
sein von unreinen Nebengedanken, sonst ist es vom Übel.
DAS BILD
Unter dem Himmel ist der Wind:
das Bild des Entgegenkommens.
So macht es der Fürst beim Verbreiten seiner Befehle
und ihrer Verkündigung an die vier Himmelsgegenden.
Die Lage ist ähnlich wie bei dem Zeichen »Anblick« ("Nr. 20.
Guan"). Dort weht der Wind über die Erde hier weht er unter dem Himmel.
Beide Male kommt er überall hin. Aber wenn dort der Wind auf der Erde unten
war, so ergab das das Bild der Kenntnisnahme der Verhältnisse durch den
Herrscher. Hier weht der Wind von oben; das deutet auf den Einfluß den
der Herrscher durch seine Befehle ausübt. Der Himmel ist den Dingen auf
Erden fern, aber er bringt sie in Bewegung durch den Wind. Der Herrscher ist
dem Volke fern, aber er bringt es in Bewegung durch seine Befehle und Willensäußerungen.
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